Emil im Kloster

Benefiz fürs Kloster

Am 12. Januar 2013 trat der Komiker Emil Steinberger in einer von der Vereinigung «Freunde des Klosters Einsiedeln» organisierten Benefizgala zugunsten des Klosters Einsiedeln im Stiftstheater auf. Vor vollen Rängen sorgte der ehemalige Ministrant für viele Lacher.

Vor der Aufführung hatte der «Salve»-Journalist Bruder Gerold Zenoni Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch hinter den Klostertheaterkulissen.  Hier einige Ausschnitte davon:

Bruder Gerold: Haben Sie Erinnerungen an Besuche in der Einsiedler Stiftskirche?
Emil Steinberger: Ganz sicher war ich schon da. Ich glaube, dass es während der Kunstgewerbeschule war, die ich mit Pater Damian aus dem Kloster Einsiedeln besuchte. Er lud uns ins Stift ein. Deshalb kam mir der lange Gang mit den Zimmern der Mönche bekannt vor. Ich war damals fast neidisch. Wie toll das sein musste, sich auf etwas konzentrieren zu können. Damit ich mich finanziell über Wasser halten konnte, musste ich während meiner Kunstgewerbeschulzeit arbeiten. Alles musste ich unter Zeitdruck erledigen. Als ich die schönen Zimmer sah, dachte ich: eine derartige Klausur zum Arbeiten ist etwas Wunderbares.

Ihr Programm «Drei Engel» passt bestens ins Kloster Einsiedeln, das in der Stiftskirche hunderte von Engeln beherbergt. Warum dieser Titel?
Es gibt einen banalen Grund. Ich erzählte meinem Sohn Geschichten. Er wusste nicht, ob sie wahr sind. Ich sagte: «Hör mal Philipp, wenn ich so mache (Emil streckt drei Finger seiner linken Hand in die Luft) heisst das, drei Engel, und die Geschichte ist wahr. Ich wollte keinen Schwur ablegen und habe das streng eingehalten. Ich weiss, dass Engel für viele Leute eine Bedeutung haben. Man findet am Kiosk eine Zeitschrift mit dem Titel «Engel». Die Menschen haben das Bedürfnis nach jemandem, der sie im Leben begleitet.

Glauben Sie an Schutzengel?
Ich kann nicht daran glauben. Es ist mir zu unsicher. Fakt ist, dass sich viele Geschichten, die über Jahrhunderte weitererzählt wurden, stark veränderten. Ich kenne das aus meinem Leben. Personen  erzählen mir, wo sie mich getroffen hätten und was ich gemacht hätte. Und es stimmt nicht. Aus Geschichten entstehen grössere Geschichten. Ich finde es schön, wenn Leute an Schutzengel glauben. Gefährlich wird es, wenn man darauf abstellt, dass der Schutzengel unbedingt helfen müsse. Wenn es mir schlecht geht, könnte ich nie in die Kirche gehen, um zu beten. Ich könnte nur in die Kirche gehen um zu beten und zu danken, wenn es mir gut geht.

Das Osterfest naht. Ihr sprichwörtlich gewordenes Kreuzworträtselwort Oktern rückt wieder in den Blickpunkt. Erinnern Sie sich an den Moment oder die Umstände, als Ihnen dieser Geniestreich einfiel?
(Schmunzelt) Das ist verrückt… (Telefonläuten bringt uns passend zur Kabarettnummer «Telegraphenamt» kurz aus dem Konzept). Wenn wir meine Filme im Studio schneiden, muss ich immer wieder lachen, obwohl ich ja alles kenne. Manchmal denke ich: Emil, wann ist dir das in den Sinn gekommen? In der Nummer «Polizeihauptwache» hat es derartige Sätze. Ich weiss nur eins: Diese Einfälle hatte ich meistens in der Nacht zwischen zwölf Uhr und fünf Uhr. Vorher war ich schlafen gegangen. Jetzt war Ruhe im Haus und ich konnte mich konzentrieren. Ich begab mich gedanklich in ein Theater und stellte mir einen Polizisten oder Feuerwerhrmann vor. Dann konnte ich einen Zacken zulegen. Das ganze war fern von der Realität. Wenn ich das Niedergeschriebene las, hatte ich Zweifel, ob es funktionieren würde. Kann man da lachen? Das ist so schwer. Im Voraus kann man es nicht sagen. Wenn jemand in der Premiere war und in der 30. Vorstellung – da muss ich ehrlich sein – hat er schon gemerkt, dass sich das Programm zu 70 Prozent verändert hat. Ich arbeitete in jeder Vorstellung neu. Ich habe alles aufgezeichnet, tagsüber abgehört und korrigiert, Wörter rausgenommen, neue Satzstellungen ausprobiert usw. Es war keine Arbeit, die man am Schreibtisch hingeschrieben hat. Jenen Moment, als mir Oktern einfiel, kann ich nicht mehr erruieren. Das sind kurze Blitzmomente ohne langes Studium. Es kommt dir und der Gag ist da. Dass daraus ein Wort wurde, dass Ostern Konkurrenz macht, tut mir fast leid.